Kompetenzen sind nur im Handlungskontext beobachtbar, können nur über Selbstauskünfte der Personen ermittelt werden und sich durch die Person selber oder durch Dritte verändern. Daraus folgt, dass eine objektive Kompetenzmessung eigentlich nicht denkbar ist. Eine Möglichkeit zur Bestimmung der Kompetenzen für das Anforderungsprofil ist die Operationalisierung des Konstukts in Verhaltensindikatoren. Durch die Analyse von erfolgreichen Verhaltensmustern ist damit eine kompetenzbasierte Potenzialanalyse durchführbar. So endet Teil 1 des Blogbeitrages über das Praxisprojektes zum Thema "Qualifikation oder Kompetenz". Heute folgt Teil 2, in dem es unter anderem um das Thema Online Assessment geht. Kompetenzmodelle sind eine mögliche Alternative zu den traditionellen Anforderungsanalysen. Für den Begriff „Kompetenzmodell“ gibt es derzeit keine einheitliche Definition und Anwendung. So gibt es einerseits die Meinung, dass unter einem Kompetenzmodell oder die sogenannte Kompetenzmodellierung eine Kompetenzarchitektur verstanden wird, die sich bspw. in sehr allgemeine Kernkompetenzen, funktionale Kompetenzen für ähnliche Berufsgruppen und stellenspezifische Kompetenzen einteilen lässt. Andererseits fällt aber auch oft der Begriff „Kompetenzkatalog“, der letztendlich eine Zusammenfassung aller Kompetenzen beinhalten soll. Dieser Katalog lässt sich aufgrund der stetig nachfolgenden Ergänzungen nie wirklich schließen.
Daher entstanden Gliederungen in sog. Begriffstaxonomien (= Kompetenzmodelle). Abgesehen von den „echten“ Kompetenzmodellen, also Verfahren mit wissenschaftlicher Grundlagen und breiter Einsatzmöglichkeit, werden organisationsspezifische Kompetenzmodelle direkt im Unternehmen anhand eines Kompetenzkataloges zusammengestellt. Daraus ergibt sich das Dilemma, dass Kompetenzmodelle zwischen Generalisierung (zu allgemein) und Spezialisierung (zu engen Anwendungsbereich) stehen. Darüber hinaus gibt es trotz aller Kataloge und Listen „kein plausibles Reservoir an festgelegten Kompetenzen. Dem entgegen steht der Vorteil, dass Kompetenzmodelle von konkreten Anforderungen in der Organisation ausgehen und der Bewerber nur mit den leistungsstarken Mitarbeitern verglichen wird, anstatt mit fiktiven Durchschnittspersonen, so wie es bei Intelligenz- und Persönlichkeitstests der Fall ist. Da Kompetenzen entwicklungsfähig sind, verringert sich die Bedeutung der sozialen Herkunft oder des Schulwissens. Die Akzeptanz der Bewerber steigt.
Unternehmen können auf kostenlose Datenbanken zurückgreifen, wie bspw. O*Net oder BERUFENET, die bereits berufliche Anforderungen anhand von Kompetenzen definiert haben. Oder sie verwenden eines der bekanntesten Kompetenzmodelle - den Kompetenzatlas, bei dem 64 Teilkompetenzen nach dem Schema von Erpenbeck und von Rosenstiel aufgeschlüsselt werden. Aus diesen könnte das Unternehmen z.B. 16 auswählen und diese als unternehmerisches Kompetenzmodell intern integrieren. Es soll dann zukünftig zur Kompetenzerfassung von Bewerbern oder Mitarbeitern dienen. Ähnlich könnte man auch für bestimmte Berufsgruppen oder Positionen verfahren.
Das Projekt "HR PROGRESS" der FH Wien widmet sich der Erforschung sowie Entwicklung eines international anwendbaren HR-Kompetenzmodells. Es läuft noch bis 12/2016, ich bin schon höchst gespannt auf die Ergebnisse! Eignungsdiagnostische Verfahren im Online Assessment Center Im englischen Sprachgebrauch ist der Begriff Assessment gleichbedeutend mit Personalbeurteilung. Ein klassisches Assessment Center ist eine (vorwiegend) mehrtägige Veranstaltung, bei dem mehrere Bewerber unterschiedliche eignungsdiagnostische Verfahren durchlaufen und dabei durch Assessoren beobachtet und evaluiert werden. Eine Sonderform des Assessment ist das Einzel-Assessment, bei dem nur ein Bewerber teilnimmt, aber ebenfalls mehrere Verfahren durchgeführt werden. Aus zeitökonomischen Gründen werden hierfür oftmals computerunterstütze Tests eingeführt. Der entscheidende Interaktionsaspekt, dass die Assessees in Interaktionen miteinander in unterschiedlichen Situationen und Aufgaben beobachtet werden, entfällt. Diese Form des Assessments ist als Online AC oder auch E-Assessment bekannt und befindet sich in vielen Unternehmen auf dem Vormarsch. Die Assessoren werden dabei durch ein objektives psychologisch-diagnostisches Programm ersetzt. Während bei einem klassischen AC vorwiegend die Sozialkompetenz untersucht wird, wird das Online AC für drei Bereiche eingesetzt:
- die Erfassung von Fähigkeiten (verbale, logische, etc.),
- Wissen und
- Persönlichkeit (Motive, Interessen, Eigenschaften, etc.).
- biografieorientierte Verfahren,
- eigenschafts- bzw. konstruktorientierte Verfahren,
- simulationsorientierte Verfahren.
Die Kombination von verschiedenen Verfahren im Online AC erhöhen die Validität. Ein Persönlichkeitsfragebogen z.B. hat eine Validität von 30 Prozent. Kombiniert man diesen mit einem Leistungstest, so steigt sie auf 50 Prozent. Ein Test ist dann valide, wenn es einen positiven Zusammenhang zwischen Eignungsmerkmalen und Berufserfolg gibt. Ebenfalls bei Online-Tests zu beachten sind die Objektivität und Reliabilität, als auch die ethischen Standards (Testfairness, etc.) und nicht-psychometrischen Kriterien wie z.B. Akzeptanz seitens der Bewerber. Für die Integration von Online Tests müssen einige Anforderungen ernst genommen werden. Die Tests müssen selbsterklärend, Hardware-unabhängig und in Workflow-Systeme integrierbar sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Sicherheit vor Verfälschungen. Diese lassen sich regulieren, indem die Tests durch Item-Generatoren neu zusammengestellt werden.
Im 3. und letzten Teil verraten wir übrigens, welche Teilkompetenzen aus dem Kompetenzatlas als Grundlage zur Kompetenzmessung für HR Controller dienen sollen.
Herzliche Grüße Claudia
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