5 Fragen an Anna und Jana von Tandemploy

Sep 2, 2016 | Gastbeitrag, New Work

Wer hat schon Erfahrung im Jobsharing? Oder im Recruiting für Jobsharer? Ich nicht, leider. Wie das geht, zeigen Anna und Jana mit ihrem Unternehmen Tandemploy. Nicht nur, dass sie die Dienstleistung anbieten, sie leben ihr Konzept auch und zeigen vor, wie es funktionieren kann, sich die Geschäftsleitung zu teilen. Auch in ihrem Team gibt es Jobsharer, im Vertrieb zum Beispiel.

Grund genug, die beiden auch mal zu interviewen und ihnen 5 Fragen zu stellen. Zuerst aber klären wir einmal auf, was ist Tandemploy und was machen die eigentlich? Das kann man natürlich alles auf der Website nachlesen, aber hier ein paar Sätze dazu:

„Als erster ganz auf Jobsharing und flexible Arbeitsmodelle spezialisierter Dienstleister entwickeln wir smarte Anwendungen und Algorithmen und betreiben die darauf basierende Jobsharing-Plattform Tandemploy sowie die SaaS-Lösung flex:workz. Darüber hinaus beraten wir Unternehmen, die Politik und Verbände im In- und Ausland hinsichtlich flexibler Arbeitszeitmodelle. Unsere einzigartige Expertise und Erfahrung in der erfolgreichen Implementierung, Einführung und dem Ausbau von Jobsharing und flexiblen Arbeitsmodellen in Unternehmen bilden die Basis, auf der unsere Produkte und Dienstleistungen aufbauen und ständig optimiert werden. Vor allem die tägliche Jobsharing-Praxis zeigt uns dabei immer wieder: Wenn zwei einen Job teilen, gewinnen alle – vor allem auch die Unternehmen!“

Jana kannte ich übrigens schon vor ihrer Zeit bei Tandemploy, daher verfolge ich die Entwicklungen mit besonderem Interesse. Und freue mich sehr, dass wir ab sofort Kooperationspartnerinnen sind :-)! Aber jetzt geht es los mit den Fragen:


Was sind die wichtigsten Kompetenzen, die man als Jobsharer aus eurer Erfahrung mitbringen muss?
Anna:
Man sollte natürlich gerne im Team arbeiten, vertrauensvoll und loyal sein. Außerdem ist es ganz wichtig, dass man klar und offen kommunizieren kann. Und eine gewisse Portion Humor hilft sehr, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen :-). Das sind nun teils mehr Charaktereigenschaften als Kompetenzen, aber das zeigt auch, in welche Richtung es geht: Die Chemie muss stimmen, damit Jobsharing funktioniert.

Was sind Argumente von Unternehmensseite, warum man das Modell nicht aktiv anbietet?

Jana:
Manche Unternehmen haben Angst, weil Jobsharing für sie etwas Neues ist und mit alten Denkmustern bricht. Alle Hürden sind aber nur in den Köpfen – und können daher mit den richtigen Informationen und Argumenten gut übersprungen werden. Manche Unternehmen fürchten sogar, dass, wenn sie Jobsharing anbieten, plötzlich ALLE Mitarbeiter auch im Jobsharing arbeiten wollen. Diese Angst finde ich schon sehr bezeichnend :-).

Ihr bietet Starthilfe für Unternehmen an, was beinhaltet das?

Anna:
Unternehmen können auf unserer Plattform Mitglieder werden, wir nennen sie „Tandemployer“. Als solche bekommen Unternehmen bei uns ein Profil, ein Siegel, das volle Employer Branding Paket sozusagen. Wenn gewünscht, unterstützen wir die Firmen auch mit Kick-Off-Workshops vor Ort, oder die ersten Tandems mit speziellen Jobsharing-Coaches aus unserem Netzwerk.

Für wen ist bzw. welche Branche oder Funktionen ist Jobsharing eher keine Option?
Jana:
Ich  würde eher umgekehrt fragen bzw. dazu auffordern, mir Branchen und Jobs zu nennen, für die Jobsharing NICHT geht! Wir haben anfangs selber gedacht, dass es in manchen Jobs schwierig werden könnte. Jetzt kennen wir Geschäftsführer, die im Jobsharing arbeiten und selbst Unternehmensberater und Sales Manager, die ihre Stelle teilen! Es geht alles, wenn man wirklich will!

Und für mich natürlich ganz besonders interessant: Was ist die Herausforderung auf Recruitingseite?
Anna:
Im Grunde ist das Rekrutieren von Tandems gar nicht so kompliziert. Man schaut sich eben ein Team an und muss schauen, welcher Recruiting Prozess da am besten ins eigene Unternehmen passt. Spricht man zuerst mit den Einzelnen? Oder direkt mit dem Team? Das kann man unterschiedlich handhaben – und danach ist alles (vor allem das Administrative) ganz ähnlich der klassischen Teilzeit. Das Onboarding kann man gemeinsam machen, die ersten Erwartungsgespräche ggf. auch. Das ist sehr individuell :-). Auch hier gilt: Das ist kein Hexenwerk! Man arbeitet mit den Tools und Prozessen, die schon da sind, und passt sie vielleicht an der ein oder anderen Stelle ein wenig an.

Die Headcounts, ein leidiges Thema im Recruiting. Beispiel aus einem Beratungsprojekt: Projekt mit einer nicht ganz einfach zu besetzenden Position in der Personalverrechnung (als wäre das jemals einfach 😉 Tolle Kandidatin, möchte jedoch künftig gerne Teilzeit arbeiten. Hat viel Erfahrung und wäre absolut bereit, auch jemanden einzuschulen. Was sagt der Kunde zu dieser Idee? Geht nicht, ich habe einen Headcount für eine Vollzeitstelle, wenn wir die jetzt nicht besetzen ist der weg. Und mehr als 1 FTE habe ich nicht, selbst wenn es sich mit dem Budget für das Gehalt ausgeht. Kommt Ihnen bekannt vor oder? Mehr zum Thema „Stellenplanung“ kann man übrigens in Janas aktuellem Gastbeitrag nachlesen.

Ich kann dieser Einstellung viel abgewinnen und spreche hier gleich auch im Namen von vielen potentiellen Mitarbeiterinnen. In unserem Pool von HR Profis sind knapp 70 % bereit, für einen qualifizierten Teilzeitjob zu wechseln. Die meisten wünschen sich einen Job zwischen 30 und 35 Wochenstunden. Warum? Aus ganz unterschiedlichen Gründen: von Zeit für die Kinder über den Wunsch neben dem Job zu studieren oder eine Ausbildung zu machen, die nichts mit dem Job zu tun hat, ehrenamtlich tätig zu sein und und und. Und warum eigentlich nicht? Warum passen wir unser Leben dem Job an und drehen den Spieß nicht einfach um? 
Wir planen übrigens ab nächstem Jahr die Geschäftsführung im Tandem zu machen. Meine ideale Zeit im Job sind aktuell nämlich 4 Tage, wobei es mir weniger um die Stundenanzahl geht. Das ist der Vorteil, wenn man selbst gestalten kann, wie und wann man arbeitet :-)! Diesen Vorteil kann man aber auch in Unternehmen umsetzen, davon sind wir genau wie Tandemploy überzeugt, Rahmenbedingungen kann man schließlich ändern.
Vielen Dank Anna und Jana (demnächst kommen die beiden auch nach Wien) und viel Erfolg weiterhin mit Tandemploy. Wer wissen möchte, wie das wirklich funktioniert im Tandem – wir werden berichten!

Herzliche Grüße

Claudia

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