Nie mehr Schule …

Jul 3, 2015 | Employer Branding, Recruitingpraxis

Heute ist Schulschluss in Wien. Für viele Schülerinnen beginnen die Ferien und 8 Wochen Sommer, Sonne, Freunde treffen, Eis essen. Für andere geht’s das letzte Mal in die „richtigen Ferien“. Wenn sie nämlich ab Herbst eine Lehre beginnen. Also wird’s Zeit für einen Blogbeitrag zum Thema „Lehrlingsrecruiting“.

 

Ich habe diese Woche am Weg in mein Büro etwas entdeckt:

claudia lorber recruiting street recruiting Lehrling

Ein gebrandetes Firmenauto mit dem Hinweis darauf, das Lehrlinge gesucht werden und auf eine eigene Webpage. Musste ich mir natürlich ansehen. „Stark im Job – stark für die Zukunft“ so der Slogan, umrahmt von zwei „coolen“ Jugendlichen. Wie es sich gehört, ein Mädel und ein Bursch, das Mädel im bauchfreien Top.  Der Lehrberuf, der gesucht wird ist Elektro- und GebäudetechnikerIn mit einer möglichen zusätzlichen Spezialisierung. Ob da das Arbeiten im bauchfreien Top möglich ist? Die Kampagne an sich halte ich für eine sehr gute Idee. Lehrlinge zu finden, ist nach wie vor nicht einfach. Obwohl beim AMS derzeit über 4.000 offene Lehrstellen gemeldet sind. Und das im Sommer, wo die meisten Unternehmen doch schon entschieden haben, wer künftig als Lehrling bei ihnen tätig sein wird. Also hab ich schnell mal recherchiert und noch 2 Kampagnen gefunden (diesmal allerdings im Netz und nicht auf Autos 😉
Mit Video (sowohl vom Vorstandsvorsitzenden als auch von „echten“ Postronauten), Postronauten Test und der Möglichkeit, online Fragen zu stellen. Bei mir sind jetzt mal zwei Dinge hänge geblieben: Bei der Post muss man als Lehrling nicht Kaffee kochen und kriegt das neueste Smartphone 😉
Beginnt gleich mit einer Rechenaufgabe und ist im Unterschied zu den ersten beiden Kampagnen nicht für ein bestimmtes Unternehmen sondern für eine ganze Branche gedacht. Auf einem Foto hat das Mädel übrigens einen roten Arbeitsoverall an …

Ich habe selbst für unterschiedliche Branchen und unterschiedliche Lehrberufe Lehrlinge gesucht und dabei immer wieder festgestellt: am schwierigsten ist es, den jungen Leuten wirklich zu vermitteln,
worum es bei dem Lehrberuf geht. Was man dann später machen kann und welche Jobchancen sie haben. Gutes Lehrlingsrecruiting ist aufwendig und unterscheidet sich in einem Punkt nicht vom Recruiting für Berufserfahrene: entweder bekommt man quasi keine Bewerbungen (Gastronomie zum Beispiel) oder für eine zu besetzende Lehrstelle über 300 (Bürokauffrau, -mann).

Aber im Unterschied zu anderen offenen Positionen braucht es noch mehr Vorbereitung, Ressourcen vor dem Jobeinstieg, während der gesamten Lehrzeit und vor allem strategische Planung. Ich kenne Fälle, wo tolle Lehrlinge nach der Behaltefrist nicht übernommen werden konnten. Oder nicht in die Abteilung konnten, die sie sich vorgestellt haben und deshalb das Unternehmen verlassen haben. Schade um die Investition. Natürlich haben Recruiterinnen darauf nicht immer Einfluss, aber vielleicht können wir hier zur Bewusstseinsbildung beitragen.

Und wenn wir schon dabei sind: „Weil ich nicht mehr in die Schule gehen mag.“ Begründung Nummer eins bei allen Gesprächen mit Jugendlichen, die ich schon geführt habe und die ich gefragt habe, warum Sie denn eine Lehre machen möchten. Gleich dahinter die schlechten Noten (was wiederum bei einigen Unternehme ein k.o. Kriterium ist). Einmal Blog lesen erspart also hunderte Motivationsschreiben lesen ;-).

Finde ich sowieso zu viel verlangt von Jugendlichen. Wissen, was man später einmal beruflich machen möchte, welchen Lehrberuf man wählen soll und auch noch begründen. Hätte mir mal jemand mit 15
gesagt, dass ich mal im Recruiting lande. Ich hätte gar nicht gewusst was das ist ;-). Gut dass es mittlerweile whatchado gibt, dass es Kampagnen gibt, die Einblicke gewähren in den Joballtag und dass es Unternehmen gibt, die Schnupperpraktika ermöglichen. Weil ich meine, dass wir als Recruiterinnen in der Pflicht sind und den Jugendlichen ein wenig auf die Sprünge helfen müssen. Ich darf voll Stolz berichten, dass einer der ersten Lehrlinge, den ich aufgenommen habe, mir damals beim Bewerbungsgespräch total überzeugt erklärt hat, dass er jetzt auf jeden Fall die Lehre machen möchte und zu einem späteren Zeitpunkt wird er sich noch weiterbilden. Was soll ich sagen, die Lehre mit Auszeichnung bestanden und mittlerweile ein Bachelor Studium absolviert. Stark oder?

Spannend finde ich jedenfalls, dass auch hier gewisse Trends gibt. Waren es vor einiger Zeit noch Castings (oh die gibts ja noch),  die „dazu gehört“ haben, sind es jetzt offenbar eigene Websites. Bin gespannt was sich da in den nächsten Jahren noch entwickelt.

 

Und noch ein Hinweis in eigener Sache: DANKE für über 4.000 Views in 5 Monaten, zahlreiche sehr nette Rückmeldungen, Kontakte, die sich über den Blog ergeben haben (nicht nur in Österreich sondern
auch in Deutschland und in der Schweiz). Es war ein Experiment und es hat Spaß gemacht. Und macht es noch – also geht es weiter, aber während der Sommerzeit ist ein wenig Zurückhaltung angesagt. Daher erscheinen die Blogbeiträge im Juli und August alle 2 Wochen. Und es gibt noch einiges, was ich vorstellen oder worüber ich berichten möchte, außerdem werden bereits eifrig weitere Gastbeiträge verfasst … bleiben Sie dran!

 

Herzliche Grüße
Claudia

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