Ein Praxistest: jobclipr – die Jobbörse 2.0.

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Recruitingpraxis

Sind Videoclips ein geeignetes Hilfsmittel, um Arbeitgeberinnen und/oder
Bewerberinnen ins „rechte Licht“ zu rücken? Wie funktioniert das in der Praxis?
Hier kommt der Selbsttest!

Tjalf Nienaber hat mich und andere Recruiterinnen eingeladen, jobclipr (befindet sich derzeit noch in der
Betaphase) zu testen. Die Idee: Firmen und Bewerberinnen haben die Möglichkeit, kurze selbst gedrehte Videoclips online zu stellen. Recruiting 2.0. also. D.h. als Recruiterin sehe ich nicht nur ein Foto von den Bewerberinnen sondern sogar ein kurzes Video (was übrigens völlig im Gegensatz zur anonymisierten Bewerbung steht, die gerade in Deutschland und Österreich von einigen Unternehmen
getestet wird – dem werde ich mich in einem künftigen Beitrag noch widmen).

Wenn ich das Ansinnen von videoclipr recht verstanden habe, geht es für Arbeitgeberinnen nicht darum, schön produzierte Imagefilme online zu stellen sondern ganz authentisch z.B. die recruitierende Führungskraft zu zeigen. Da ich eine grosse Verfechterin von Authentizität sowohl auf Kandidatinnen- als auch auf Unternehmensseite bin finde ich die Idee gut. Also los, setzen wir um.

Ich beschließe meine Personalvermittlung spezialisiert auf HR Positionen vorzustellen. Und zwar ohne professionelle Hilfe (die hat man ja als Bewerberin auch nicht unbedingt). Eines vorweg: mein Velfie wird online nicht zu finden sein! Ich bin zwar leidenschaftliche Hobbyfotografin und stehe gerne hinter der Kamera aber trotz aller Bemühungen und einem hohen Zeitinvestment (1/2 Tag!) kann ich dieses unprofessionelle Werk niemanden zumuten.

Aber eines nach dem anderem: Die Registrierung ist nach ein paar Klicks in wenigen Minuten erledigt. Die Vorbereitung für das Video aber braucht Zeit! Zunächst geht es um den Inhalt, was will ich denn eigentlich vermitteln? Die wenigsten sind ja nebenberuflich Moderatorinnen und schütteln so eine 2 – 4 Minuten Ansage mit links aus dem Ärmel. Ich arbeite z.B. mit Stichworten und überlege mir den ersten Satz, der Rest kommt eher „freihändig“ und da kann es passieren, dass man dann doch das eine oder andere vergisst, das man eigentlich kommunizieren möchte (war natürlich bei 3 oder 4 Aufnahmen der Fall).

Nächste Frage: was ziehe ich an, wie style ich mich? Mein Rat dazu ist, sich so anzuziehen, wie man zum Bewerbungsgespräch gehen würde (egal ob auf Jobsuche oder als Recruiterin) aber für Videoaufnahmen gibt’s ein paar do’s und dont‘s hinsichtlich Farben und Muster, die man beachten sollte. Nachdem es ja authentisch sein soll braucht man im Vorfeld nicht unbedingt den Friseurbesuch einplanen. Wer jedoch nicht in der Früh aus dem Bett hüpft und nach 2 Mal schnell durchs Haar bürsten aussieht wie Austrias next Topmodel braucht vielleicht doch die eine oder andere Minute mehr 😉

Und jetzt zur für mich größten Herausforderung: die Lichtverhältnisse. Optimalerweise wird bei Tageslicht gefilmt, in Räumen ja immer noch zusätzlich ausgeleuchtet. Blöd wenn jetzt das verfügbare Zeitfenster für die Aufnahme an einen trüben Februartag fällt. Ich habe erwähnt, dass ich ohne professionelle Hilfe getestet habe? Obwohl ich mir ganz streberhaft sogar nochmal die Bedienungsanleitung meiner Kamera durchgeschaut habe, die Bildqualität ist einfach mies. Auch nach Aufnahme Nummer 17, da habe ich dann entnervt und auch aus Zeitgründen aufgegeben.

Neben der schlechten Bildqualität und einem Grundrauschen bei der Aufnahme (ich glaube die Tonqualität hätte ich noch verbessern können) hat mich vor allem die fehlende Dynamik gestört. Da macht man schon mal ein Video und dann muss man trotzdem 2 Minuten an derselben Stelle stehen oder sitzen (wenn man sich nicht noch zusätzlich mit dem Thema Videoschnitt befassen möchte).

Da ich die Unternehmensseite getestet habe (das Prinzip ist bei Bewerberinnen aber gleich) kommt hier meine Empfehlung für Arbeitgeberinnen: bevor das Video total unprofessionell wirkt, lieber darauf verzichten. Oder doch jemanden engagieren und Profis ans Werk lassen. Viele Unternehmen haben bereits Imagefilme bzw. sind vielleicht auch schon auf whatchado vertreten. Im Gegensatz dazu sieht sich jobclipr aber als Jobbörse, wo ein persönliches
Video das Stelleninserat ersetzen soll. Da stellt sich die Frage nach den rechtlichen Rahmenbedingungen (gilt das Video als Stelleninserat? Wenn ja muss in Österreich z.B. eine Mindestentgeltangabe gemacht werden).

Gerade für Unternehmen, die am Arbeitgeberinnenmarkt (noch) nicht so bekannt sind könnte es eine gute Möglichkeit sein, die Aufmerksamkeit von der einen oder anderen Bewerberin auf sich zu ziehen. Für Kandidatinnen hat es sicher den Vorteil, dass im Gegenzug zur Bewerbung per Mail oder Online Persönlichkeit transportiert werden kann (obwohl ich schon Bewerbungen erhalten habe wo das durch aus auch der Fall war, aber das sind eher die Ausnahmen ;-). Gut für die, die keine Scheu haben sich (auch vor der Kamera) zu präsentieren, schlecht für alle, die bei der Vorstellung in eine Kamera zu sprechen, ins Schwitzen geraten.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt wie das Angebot aufgenommen wird und werde das natürlich verfolgen!

Herzliche Grüße
Claudia