Sinnvolles Recruiting oder Muss uns der Job glücklich machen?

Dez 2, 2016 | Recruitingpraxis

„Do what you love“ ich gebe es zu, dieser Spruch hängt auch in meinem Büro. Warum? Weil es bei mir einfach wahr ist. Die meiste Zeit meines Lebens war ich in Jobs tätig, die ich wirklich gern gemacht habe. Ich habe mich verändert, wenn ich „im Job nicht mehr glücklich war“. Seit meinem ersten Job wollte ich auf meiner Visitenkarte einmal „Geschäftsführung“ stehen haben. Damals hatte ich keine Ahnung, was das eigentlich bedeutet, also was man da konkret zu tun hat.

Heute steht der Begriff „Geschäftsführung“ übrigens nicht auf meiner Visitenkarte, die Funktion habe ich trotzdem. Und Grund dafür, mich selbstständig zu machen, war nicht, dass ich die Visitenkarte endlich haben wollte. Daran habe ich bei meiner Entscheidung gar nicht gedacht. „The only way to do great work is to love what you do.“ Hängt auch in meinem Büro und DAS war der ausschlaggebende Grund.

claudia lorber recruiting greatwork

Mein Eindruck ist, dass seit einiger Zeit der Sinn im Job vermehrt thematisiert wird. Beim HR Inside Summit zum Beispiel:

  • „dass glückliche Mitarbeiterinnen maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen. Sie sind effizienter, kreativer und loyaler.“
  • „Mitarbeiterinnen, die zusammenarbeiten, sind glücklicher, leisten mehr und sind innovativer.“
  • „Inspiration ist Motivationsfaktor Nummer 1, gefolgt von Wertschätzung, Jobsicherheit und Kommunikation.“

Die Initiative „Sinnstifter“ möchte interessanten Berufe mit all ihren Facetten vorstellen und verdeutlichen, dass viele Klischees, die rund um die Tätigkeit in einem Sozial- und Gesundheitsberuf vorhanden sind, nicht der Realität entsprechen. Die spannenden Berufsbilder sollen ins Licht der Öffentlichkeit gestellt und neue SinnstifterInnen für diese Aufgaben begeistert werden. Darüber hinaus sollen jene Menschen eine Plattform finden, die bereits als Sinnstifter tätig sind oder eine Ausbildung dazu absolvieren. Ihre Leistungen sollen gewürdigt und einem breiten Publikum bekannt gemacht werden.

WAS TUN SINNSTIFTERINNEN? SinnstifterInnen sind Leute, die mehr wollen als einen herkömmlichen Standardjob. Zitat von der Website.

Viele Leute aus dem HR Bereich, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, sagen mir, dass sie gerne in einem Unternehmen tätig sein wollen, das etwas Sinnvolles macht. Sie wollen einen sinnvollen Job haben (und ich glaube nicht, dass das nur für HR Funktionen gilt). Das bringt mich natürlich zur Frage: und was bitte ist sinnvoll? Raucherinnen finden vielleicht die Tabakindustrie sinnvoll, Jägerinnen die Waffenindustrie. Wer entscheidet, was sinnvoll ist und was nicht? Und warum ist ein Job bei einer Versicherung für viele weniger sinnvoll als bei einer NGO?

Unter sinnvoller Tätigkeit verstehen also nicht alle das gleiche. Es ist daher vor allem im Recruiting wichtig, unsere ganz subjektive Bedeutung von sinnvoller Arbeit nicht auf andere zu übertragen. Dazu kommt, dass nicht alle Menschen über den Sinn ihrer Tätigkeit motivierbar sind.

In einer Studie fragten im Jahr 2013 Tatjana Schnell, Thomas Höge und Edith Pollet, was Arbeit generell sinnvoll macht. Ihre Ergebnisse weisen in die Richtung, dass weniger die Eigenschaften der arbeitenden Personen, sondern die gelebten Werte des Unternehmens entscheidend dafür sind, dass Sinnerleben am Arbeitsplatz stattfinden kann. Zusätzlich tragen Merkmale der Arbeitsaufgabe und die Passung von Person und Arbeitstätigkeit zum Sinnerleben bei.

Und was wenn Leute, den Job einfach nur als Job betrachten? Ein bestimmtes Einkommen haben wollen und den Job erledigen. Pfeif auf Berufung und das ganze Klimbim. „Die Arbeit muss nicht unbedingt den Lebenssinn geben. Wichtig ist nur, dass sie ihn nicht zerstört.“ So Sinnforscherin Tatjana Schnell in einem Interview 2014 und weiter: „Der schlimmste Sinnzerstörer ist, wenn Unternehmen sich Werte auf die Fahnen heften, die sie nicht leben.“ Wie war das noch gleich mit Employer Branding und so?

Das von mir sehr geschätzte MagazinF gibt aktuell den Tipp, die Karriereregel „Do what you love“ einfach zu brechen. Wenn ich im Job nämlich nicht unzufrieden bin und ich die Möglichkeit habe, in meiner Freizeit das zu machen, was ich wirklich mag.

So wie die einen die Farbe rosa (bitte nach eigenem Wunsch einsetzen: blau, lila, Regenbogen 😉 lieben, hassen sie die anderen. So wie die einen Marzipan mögen, können es die anderen nicht ausstehen. Und so verhält es sich auch mit dem Sinn im Job: die einen brauchen ihn, den anderen ist er schlichtweg egal, da der Job lediglich Mittel zum Zweck ist.

Und genau das ist unser Job im Recruiting: zu filtern, zu transportieren, zu übersetzen. Und die richtigen Menschen in die für sie und das Unternehmen passende Funktionen bringen.
Könnten Sie die Fragen von potentiellen Mitarbeiterinnen nach

  • dem Unternehmenssinn und
  • dem Sinn der Funktion

beantworten? Können es Ihre Hiring Manager?

Und wissen Sie, welchen Stellenwert die Sinnfrage für Ihre Kandidatinnen hat?
Was mich zur Frage bringt: sind Recruiterinnen, die ihre Tätigkeit als sinnvoll empfinden, die besseren Recruiterinnen? 

Da bin ich mal gespannt auf Ihre Meinungen!

Herzliche Grüße
Claudia – I love what I do 😉

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