Was du 2022 von Personalberatungen lernen kannst?

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Recruitingpraxis

Welche Personalberatung kannst du empfehlen, Claudia? Einen Euro für jedes Mal, wenn mir diese Frage gestellt wird und ich … ich könnte zum Beispiel 100,– mehr für einen guten Zweck spenden. Laut dem WKO Firmenverzeichnis gibt es in Österreich 237 Personalberatungen. Da ist von Ein-Personen-Unternehmen bis zu Niederlassungen von internationalen Unternehmen alles dabei. 

Wen ich empfehle? Im Normalfall keine Unternehmen, sondern immer Personen. Es sind nämlich – wie überall anders auch – die Menschen, die einen Unterschied machen und nicht der klingende Firmenname oder das hübsche Logo auf dem Papier. Falls du dich fragst, ob es künftig eigentlich noch Personalberatungen geben wird, genau diese Frage habe ich (schon vor längerer) Zeit auf meinem YouTube Kanal Recruiting TV beantwortet. 

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Personalberatung, Head-Hunter, Personalvermittler, Executive Search – wo sind die Unterschiede? 

Waren die Begriffe ursprünglich noch unterschiedlich besetzt, werden sie heute eigentlich als Synonyme verwendet – für Agenturen, Beratungen, die im Auftrag (oder leider auch oft ohne) nach potenziellen Mitarbeiter:innen für dein Unternehmen suchen. 

Executive Search – damit ist vor allem die Suche nach Führungskräften gemeint. 

Head Hunter – das waren genau genommen die Active Sourcing Expert:innen der ersten Generation. Noch ohne Unterstützung von Online-Business-Netzwerken wie LinkedIn oder XING haben sie recherchiert, Kontakte geknüpft und (vor allem Fach- und Führungskräfte) abgeworben. 
Personalberatung und Personalvermittlung werden mittlerweile auch synonym verwendet, die Vermittlung arbeitet erfolgsabhängig, die Beratung hat einen konkreten Suchauftrag.  

In Österreich werden (zumindest lauf Google Trends) nach allen Begriffen ungefähr gleich oft gesucht, Personalvermittlung hat dabei die Nase leicht vorne. (Hi Personalberater:innen, kostenloser SEO Tipp von mir). 

Wann solltest du eine Personalberatung beauftragen? 

  • Wenn du keine Ressourcen hast. Recruiting kostet entweder Zeit oder Geld (meist ja beides).  
  • Wenn du eine Position nachbesetzen musst, die betreffende Person das aber noch nicht wissen soll. 
  • Wenn du eine Positionen mit sehr speziellem Know-how zu besetzen hast, die du nur alle heiligen Zeiten ausschreibst. 

Welche Personalberatung kann ich empfehlen? 

  • Ganz einfach, die, mit der du (oder andere Recruitingverantwortliche in deinem Netzwerk) gute Erfahrungen gemacht hast.  
  • Eine, die dir nicht unaufgefordert Profile von Kandidat:innen zusendet oder du ein Inserat entdeckst, das eine Copy & Paste Ausgabe von deinem eigenen ist, nur mit einem anderen Logo. Eine, de spezialisiert auf ein Thema oder eine Branche ist.
  • Eine, die die Bewerber:innen mindestens genauso „hofiert“ wie dich als Kund:in. 
  • Eine, die den „Perfect Match“ ernst nimmt. 

Was kannst du dir von Personalberater:innen für dein Recruiting abschauen? 

Gute Berater:innen agieren nicht (nur) im eigenen Interesse und auch nicht nur in deinem. Sie finden die genau passende Position für ihre Kandidat:innen. Sie agieren also eher als Karriere-Coach. Das bedeutet, sie verhelfen Kandidat:innen vielleicht nicht zu dem Job in deinem Unternehmen. Das findest du jetzt vermutlich ziemlich schräg, denn du bist ja schließlich die Auftraggeberin. Wenn du aber genau die richtigen Mitarbeiter:innen für dein Unternehmen gewinnen möchtest, dann wäre es doch mehr als fair auch umgekehrt genau das richtige Unternehmen für Jobsuchende zu finden, oder? 

Das würde ich mir ja eigentlich auch von dir als Recruiter:in wünschen, aber wir wissen, wie es in der Praxis läuft. ☹ Versuche trotzdem, zuerst an den richtigen Job für Bewerber:innen zu denken und erst danach an deine Besetzung. Niemand hat etwas davon, wenn du zwar eine offene Position besetzen kannst, aber nach kurzer Zeit wieder von vorne anfangen musst. Das zahlt übrigens ganz sicher auf dein Employer Branding ein. 

Ich erinnere mich noch gut an eine Zusammenarbeit mit einer Personalberaterin für eine Geschäftsführungsposition. Wir sind nach dem ersten Hearing die Profile noch einmal durchgegangen und haben besprochen, wer in die Endrunde kommt. Bei einem Kandidaten war ich nach dem Hearing hin- und hergerissen und konnte ich nicht mich nicht so klar entscheiden, wie bei den anderen. Sie hat dann gemeint: „Wenn ich ehrlich bin, passt der in ein anderes Unternehmen, das ich auch gerade betreue, besser.“  

Vielleicht findest du das jetzt nicht angemessen, ich fand, diese Aussage hat meine Auswahl der Personalberatung total bestätigt.  

Das ist auch schon der wichtigste Punkt, den du dir abschauen kannst. Schau nicht nur drauf, ob die Bewerber:in zum Job passt, sondern auch, ob der Job zu der Person passt.

Eine der besten kununu Bewertungen habe ich als Recruiterin erhalten, nachdem ich einem Bewerber abgesagt habe. Im Telefonat habe ich gemeint: „Wir wären total glücklich, dich bei uns zu haben. Aber wir denken, du wärst nach kurzer Zeit nicht glücklich mit der Aufgabe. Wir haben gemeinsam intensiv nachgedacht, ob wir das anders gestalten könnten, aber das kriegen wir leider in absehbarer Zeit nicht hin.“ Er hat sich nicht nur direkt im Telefonat vielmals bedankt, dass ich auch seine Vorstellungen mitbedacht habe, er hat eine wirklich geile kununu Bewertung geschrieben. Oh Moment, die sind ja anonym. Ich habe also natürlich keine Ahnung, wer die geschrieben hat, könnte auch einfach Zufall sein. 😉

Gerade, wenn du nicht alleinverantwortlich für Recruiting zuständig bist, dann ist es umso wichtiger, dich regelmäßig über Positionen UND Kandidat:innen auszutauschen – denn vielleicht passt es ja bei dir gerade nicht, aber für eine andere Funktion wäre es der Jackpot.  

Was du dir noch von der Personalberatung abschauen kannst, ist der Aufbau eines Talentepools. Das bedeutet, nicht einfach CVs zu sammeln, sondern immer, also wirklich IMMER nach jedem Gespräch, zu notieren, wo du denkst, dass die Kandidat:in gut passen könnte. Sobald du die Freigabe für die Besetzung einer neuen Position hast, startest du also erst einmal mit der Suche in deinem Pool, bevor du dir Gedanken darüber machst, wo du das Inserat am besten veröffentlichst. Personalberater:innen, die etwas von ihrem Job verstehen, müssen nämlich viele Positionen erst gar nicht ausschreiben und können dir trotzdem Profile liefern. Nach Rücksprache mit der betreffenden Person – aber das versteht sich wohl von selbst. 

Agiere wie eine Personalberatung in deiner Recruitingfunktion, damit Recruiting für dich wieder einfach wird. 

Herzliche Grüße 
Claudia 

P.S.: Was ist für dich noch ein Vorteil in der Zusammenarbeit mit einer Personalberatung? Lass es mich wissen.