Rassismus im Recruiting

Rassismus im Recruiting – ist das ein Thema für einen Blogbeitrag? Ich habe die Geschehnisse der letzten Tage zum Anlass genommen und nicht nur mein eigenes Handeln hinterfragt, sondern auch überlegt, inwiefern Social Media und Recruiting eine Rolle spielen, wenn es um die Themen Rassismus und Diskriminierung geht. Meine Überlegungen dazu kannst du in diesem Beitrag nachlesen. Und ich lade dich ein, mit mir gemeinsam weiter nachzudenken und vor allem ins Tun zu kommen. Was können wir in HR tun, um unserer Verantwortung der Gesellschaft gegenüber gerecht zu werden? 

Das Pfingstwochenende war für mich nicht nur verregnet und arbeitsreich, es war auch ein Lehrstück in Sachen Social Media und Kommunikation. Natürlich habe ich das Video und die Bilder von George Floyd gesehen. Natürlich haben sie mich menschlich berührt. Dass das ein Thema für meinen Blog sein kann, daran habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht. 

Und dann habe ich begonnen, mich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen, zu recherchieren und mir selbst viele Fragen zu stellen. Ich bin – das ist jetzt keine Überraschung für dich – auf Social Media sehr aktiv. Ich überlege mir immer Tage bis Wochen im Voraus, welche Inhalte ich poste. Ich überlege mir, ob ich etwas retweete. Ich teile keine Beiträge oder Artikel, die ich nicht selbst gelesen habe. Das liegt in meiner und auch deiner Verantwortung, wenn du für Social Media Recruiting zuständig bist. Das versuche ich in meinen Workshops und Vorträgen immer zu vermitteln. Planung hilft, dieser Verantwortung gerecht zu werden. 

Während ich noch nachgedacht habe, ob ich das Thema wirklich aufgreifen soll, wurde es schwarz. Mein Feed auf Instagram zuerst, dann auf Facebook und auch auf LinkedIn. Mit dem Posten einer schwarzen Fläche ohne Inhalt haben nicht nur Musikgrößen ihre Solidarität mit Opfern von Rassismus und Polizeigewalt bekundet: Nach und nach haben am 02. Juni 2020 auch Unternehmen und Personen ihre Social Media Beiträge mit #BlackoutTuesday oder auch mit #BlackLivesMatter versehen. 

Ist das mein Beitrag?

Unreflektiert einfach ein schwarzes Bild posten? Nein, weil das nicht zielführend ist. Gar nicht mit dem Thema beschäftigen, sondern lieber am Contentplan festhalten? Falls du dir diese Frage in den letzten Tagen gestellt hast, dann denk daran: Es geht darum, dies zum Anlass zu nehmen und das Standing als Arbeitgeberin oder viel mehr als Mensch mit Recruitingverantwortung zu positionieren. Ein echtes Zeichen zu setzen und nicht nur mitzutun, weil es die anderen machen. 

Ich folge auf Social Media Menschen und Seiten, die wirklich viel von Onlinemarketing verstehen. Die wurden in den letzten Tagen auf ihren Social Media Profilen regelrecht zerpflückt. Warum? 

  • Weil sie nichts getan haben. 
  • Weil sie zu wenig getan haben. 
  • Weil sie das Falsche getan haben. 
  • Weil sie zu spät etwas getan haben. 
  • Weil sie den falschen # verwendet haben. 

Was dir passieren kann?

Dass dich Bewerberinnen, Kundinnen, deine Mitarbeiterinnen oder eben irgendjemand, der deiner Seite nicht einmal folgt, danach fragt, was du gegen Rassismus tust. Kann das Social Media Redaktionsteam darauf eine Antwort geben? Tut ihr etwas? Und wenn ja, was? 

Auf der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu gibt es den Abschnitt „Vielfalt“ – darunter fallen bisher die Themen Gleichberechtigung und Umgang mit älteren Kolleginnen. Anlässlich der Corona-Krise wurde der kununu Corona Employer Transparency Ticker eingeführt. Dieser gibt einen Überblick zur Zufriedenheit der User im Umgang ihrer Arbeitgeberin gesamt und nach Unterpunkten wie Sicherheit, Kommunikation und Familienfreundlichkeit. Vielleicht gibt es bald auch ein Pendant hinsichtlich Gleichberechtigung? 

Wie verhindere ich Diskriminierung im Recruiting?

Ich lerne ständig dazu, gebe mein Know-how an dich weiter und – so hoffe ich – du profitierst von meinen Erfahrungen. Das ist der Deal. Und immer wieder locke ich dich raus aus deiner Komfortzone, um dir zu zeigen, dass es etwas bringt, wenn man auch mal andere Wege geht. Was ich bisher verabsäumt habe, war der Frage „Wie verhindere ich Diskriminierung im Recruiting?“ WIRKLICH einen entsprechenden Stellenwert einzuräumen.  

Ich habe wohl darüber gebloggt, wie man Frauen im Recruiting anspricht, wie man ein Stelleninserat diskriminierungsfrei textet, habe mich zur metoo-Debatte geäußert und mir Gedanken zum anonymisierten Bewerbungsverfahren gemacht. Auf Recruiting TV habe ich Wolfgang Kowatsch zu Tipps befragt, was Inklusion im Recruiting angeht. In all meinen Workshops und speziell im Social Media Recruiting Bootcamp weise ich auf das Thema Barrierefreiheit auf Karrierewebsites aber auch zum Beispiel in Zusammenhang mit der Schreibweise von # hin. Ich schreibe bewusst genderneutral oder in der weiblichen Form. Tja und das war es wohl schon. Ist das genug? Das ist der springende Punkt: Es gibt kein genug 

Ich habe recherchiert und bin im Zuge dessen auf diesen TedTalk gestoßen. Dieser Satz von Clint Smith hat mir klar gemachtdass ich Position beziehen muss: We spend so much time listening to the things people are saying that we rarely pay attention to the things they don’t.

Nicht für dich, sondern in erster Linie für mich. Mein Ziel und der Grund, warum ich tue was ich tue, ist es eine Situation zu schaffen, von der alle Beteiligten profitieren: Unternehmen, Recruitingverantwortliche und Jobsuchende.  

Recruiting ist kein Job, Recruiting ist eine Verantwortung. Klick um zu Tweeten

Was können wir jetzt tun, um dieser Verantwortung gerecht zu werden? 

  1. Informiere dich.
    Die aktuelle Ausgabe des Magazin Personalwirtschaft hat zum Beispiel das Thema Rassismus als Schwerpunkt. Ich kann auch die Aktionstage von divoersity.at empfehlen. 
  2. Arbeite an deinen Verhaltensweisen (Bias).
  3. Gestalte einen Recruitingprozess, der diskriminierungsfrei ist. Du kannst deine Gleichbehandlungsbeauftragte ins Boot holen oder – wenn es im Unternehmen keine gibt – dich an die diversen Stellen in Österreich wenden, die dir weiterhelfen. 
  4. Lass Rassismus und Diskriminierung nicht durchgehen. Jemand macht in der Kaffeeküche diskriminierende Scherze? Dann sei die, die das nicht durchgehen lässt. 

Ich arbeite daran, persönlich und was die Inhalte meiner Beiträge angeht. Für entsprechende Vorschläge bin ich sehr dankbar, das meine ich ernst. Wie gehst du mit dem Thema Rassismus um? Möchtest du mir – gerne auch anonym – schreiben? Was hast du erlebt – egal auf welcher Seite – und was können wir tun? Wie sorgen wir dafür, dass die Recruitingszene in Österreich (und natürlich gerne in Deutschland und der Schweiz) für vorurteilsfreies Recruiting stehen kann? 

Herzliche Grüße
Claudia 

PS: Nächste Woche wird es hier wieder weniger ernst, dafür sehr spannend, denn ich stelle dir eine brandneue Recruitingplattform aus Österreich vor. Werde jetzt gleich Recruiting-Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird.

Das solltest du über TikTok im Recruiting wissen

TikTok im Recruiting – soll ich das wirklich einsetzen? Was ist dieses TikTok eigentlich? Kann eine sogenannte Challenge wie #MachDieRobbe tatsächlich bei der Suche nach potenziellen Mitarbeiterinnen helfen? Soll ich wirklich eine App im Recruiting einsetzen, die einem chinesischem Unternehmen gehört? Die Antworten auf diese Fragen habe ich in diesem Blogbeitrag für dich zusammengefasst. Wenn dir das allerdings als Info nicht ausreicht, dann sieh dir einfach meinen Online-Vortrag „TikTok im Recruiting“ an.

Was ist TikTok?

TikTok gibt es seit 2016, damals noch unter dem Namen musical.ly auf dem Markt erschienen und ursprünglich als Dance & Lip-sync App für Jugendliche ab 13 Jahren konzipiert. 2018 wurde musical.ly in TikTok umbenannt und die Nutzungszahlen steigen unaufhaltsam. Im Ranking von saferinternet.at aus Jänner 2020 liegt TikTok bei den Userzahlen von österreichischen Jugendlichen (11–17 Jahre) noch auf Platz 6 – ich traue mich wetten, dass sich das bei der nächsten Befragung deutlich ändert. International liegt TikTok nämlich bereits vor Snapchat und Instagram.

Wie funktioniert TikTok?

Das zu beschreiben ist wirklich eine Herausforderung. Probier es am besten selbst aus. Wenn du die App nicht downloaden möchtest, dann kannst du hier einen Blick auf die Desktopversion (auch ohne Anmeldung) werfen. Alternativ kannst du auch einfach auf YouTube nach TikTok suchen. Auf meiner Playlist „Social Media“ auf Recruiting TV habe ich zum Beispiel ein Video für dich abgespeichert, in dem sich Reese Whiterspoon von ihrem Sohn erklären lässt, was TikTok eigentlich ist. Achtung: Es kann jetzt passieren, dass du nur mal kurz schauen magst und schwupps sind 45 Minuten um. Ich sage nur #Mamatanz.

Aktuell ist TikTok eine App, wo du dir kurze Videos (ca. 15–60 Sekunden lang) ansehen und/oder du Videos hochladen kannst. Ein Zeitvertreib, der nicht mehr nur bei der Generation Z angesagt ist.

Wen erreiche ich auf TiKTok?

Vor mittlerweile acht Jahren wurde Instagram von Facebook gekauft, erinnerst du dich? 2012 hatten wohl nur ganz wenige Recruitingverantwortliche eine Idee, wie man Instagram im Recruiting bzw. Employer Branding einsetzen kann – so in etwa ist das derzeit mit TikTok. Klick um zu Tweeten Längst zählen nicht mehr nur „Kids“ zu den Usern, sondern – aus ganz unterschiedlichen Gründen wie zum Beispiel Langeweile in Coronazeiten – auch Erwachsene. Wenn du meinst, du bist zu alt für TikTok, dann denk daran: Jane Fonda hat auch einen Account.

Was mache ich auf TikTok?

Du machst natürlich die Robbe! 😂 Oder du machst es wie die Vorreiter am deutschsprachigen Arbeitgebermarkt: Das Klinikum Dortmund ist grundsätzlich sehr aktiv im Social Media Recruiting und nützt TikTok nicht nur für Challenges, sondern bringt auch immer wieder einen Blick hinter die Kulissen. Auf diese Weise haben sie nicht nur unfassbare 87.000 Follower (zum Vergleich auf Instagram sind es beachtliche 13.000, Stand Mai 2020), die Videos wurden millionenfach angesehen, Unternehmensvertreter wurden in Talkshows eingeladen und das Klinikum ist in unzähligen Print- und Onlinemedien vertreten. Die zig-fache Medienpräsenz durch TikTok hat auch zu mehr Bewerbungen geführt.

Oder du machst es wie Lidl, die sind ebenfalls mit einem eigenen Karriere-Account vertreten. Gesine wiederum gibt auf höchst unterhaltsame Weise Bewerbungstipps weiter. Du musst also nicht unbedingt tanzen oder lip-snycen, damit dein Video viral geht. Deiner Kreativität sind allerdings keine Grenzen gesetzt.

Eine Frage der Moral

Wie ich schon in einem älteren Blogbeitrag geschrieben habe, ich kann und will die Entscheidung nicht für dich treffen, ob du im Recruiting auf TikTok setzt oder auf eine andere Plattform. Ich sorge aber gerne dafür, dass du alle Infos hast, damit du eine Entscheidung treffen kannst.

Noch mehr Infos zu TikTok und Recruiting

Überlegst du dir, TikTok auch am Recruiting bzw. Employer Branding einzusetzen? Möchtest du noch mehr darüber erfahren und vielleicht mit mir gemeinsam deine ersten Dance Moves auf TikTok machen? Scherz, keine Sorge, niemand muss tanzen. 🙂 Aber ich freue mich, wenn du dir mein Webinar „TikTok für Recruiting“ ansiehst. Hier geht’s zum Online-Vortrag!

Bei meinem Social Media Recruiting Bootcamp dürfen sich die Teilnehmerinnen immer aussuchen, welche Plattformen wir gemeinsam durchgehen. Bisher war da TikTok noch kein Thema, ich bin gespannt, ob sich das jetzt ändert.

Manchmal muss man eben neue Wege tanzen – äh gehen meine ich natürlich, damit Recruiting wieder einfach wird.

Herzliche Grüße
Claudia 

PS: Nächste Woche geht es darum, was du tun kannst, um Rassismus im Recruiting zu verhindern. Werde jetzt gleich Recruiting-Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird.

Social Media Recruiting in Krisenzeiten

Social Media Recruiting ist eine großartige Maßnahme gegen den Fachkräftemangel. Wie sieht es aber in Krisenzeiten aus? Darf bzw. soll man auf Social Media auch präsent sein, wenn gerade Einstellungsstopp herrscht, Ausnahmesituationen wie das Coronavirus zu Kurzarbeit/Kündigungen führen oder man schlichtweg gerade keine Jobs zu besetzen hat?

Genau diese Frage hat mir eine Teilnehmerin in einem Workshop gestellt. Und wer hätte ahnen können, dass sie nun aktueller denn je ist? Ich habe eine kurze Antwort schon vor längerer Zeit für meinen YouTube Kanal Recruiting TV aufgenommen:

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Hätte ich geahnt, dass das Thema höchst relevant wird, hätte ich ein wenig ausführlicher geantwortet. Aber keine Sorge, ich habe noch ein paar mehr Argumente für dich:

  1. Du kannst Social Media immer nützen, um dein Unternehmen als Arbeitgeber zu positionieren. Das funktioniert auf jeder Plattform und unabhängig davon, ob du gerade Jobs zu vergeben hast oder nicht. Don Draper, die Hauptfigur einer meiner absolut liebsten Serien Mad Men (wenn du meinen Newsletter schon länger abonniert hast, kannst du dich vielleicht an das Foto erinnern), bringt es auf den Punkt: „There will be fat years and there will be lean years, but it is going to rain.“
    Don Draper
  2. In der Werbung geht es darum, Produkte in die Wahrnehmung der Konsumentinnen zu bringen, egal ob sie diese jetzt gerade unbedingt brauchen oder nicht. Genau gleich verhält es sich bei deiner Positionierung als Arbeitgeber: Die findet immer statt, egal ob, welche und wie viele Jobs du zu besetzen hast.
  3. Die Social Media Nutzung steigt gerade in Krisenzeiten enorm. Soziale Netzwerke dienen in erster Linien der Information und Unterhaltung. Menschen wollen sich einerseits über aktuelle Entwicklungen informieren, suchen andererseits Ablenkung und Social Distancing funktioniert nun mal über Social Media hervorragend. Unsere Facebook Gruppe HR Austria hat in den letzten zwei Wochen deutlich mehr neue Mitglieder gewonnen, als seit der Gründung, und die Interaktionsrate ist in einem Monat um 46 % gestiegen.

Menschen beobachten sehr genau, wie sich Unternehmen in Krisenzeiten verhalten. Sei es aus Kundinnensicht oder aus der Perspektive von Arbeitnehmerinnen. Es werden schon Rufe laut, Unternehmen, die Mitarbeiterinnen kündigen, entsprechend auf kununu zu bewerten. Ich möchte damit nicht ausdrücken, dass man jetzt aus Angst vor schlechten Bewertungen nicht mehr unternehmerisch handelt, aber der Umgang mit Mitarbeiterinnen und auch Bewerberinnen steht mehr im Fokus der Aufmerksamkeit denn je. Damit du einfach und schnell kommunizieren kannst, habe ich einen Leitfaden für Krisenkommunikation für HR entwickelt, du kannst ihn kostenfrei und ohne Registrierung downloaden. Du findest da auch gleich ein paar Textvorlagen, die du nur ein wenig adaptieren musst und dann einfach verwenden kannst.

Bitte mach jetzt nicht den Fehler und höre auf, auf Social Media präsent zu sein. Ich folge natürlich berufsbedingt vielen Karriereseiten, zum Beispiel auf Facebook und bei Postings wie diesen blutet mir das HR und Social Media Herz:

„Neben der Schließung unserer Verkaufshäuser werden auch unsere Unternehmenszentralen… vorübergehend auf Minimalbetrieb reduziert. Aus diesem Grund stellen wir unsere Kommunikationstätigkeiten auf unseren Online Kanälen vorübergehend still. Sobald wir wieder da sind, versorgen wir euch wie gewohnt mit News zu allen Karrierethemen.“

Mach das nicht! Sei da, sei präsent, kommuniziere.

Die Kommunikation auf Social Media ist wichtig: nämlich gleichermaßen für Kundinnen, Mitarbeiterinnen und für alle, die jetzt oder in nächster Zeit auf Jobsuche sind.

Social Media Recruiting ist eine strategische und mittel- bis langfristig wirksame Maßnahme. Wenn du das nicht vergisst und dann noch an Don denkst – wird Recruiting für dich wieder einfach.

#StaySafe

Claudia

PS: Nächste Woche geht es (voraussichtlich) um Tools und Methoden, die dich im Recruiting produktiver machen. Das möchtest du nicht verpassen? Werde jetzt gleich Recruiting-Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird.

Tinder, TikTok und Jodel im Recruiting einsetzen?!

Tinder, TikTok oder Jodel – soll man wirklich Datingplattformen, eine App für Musikvideos oder eine mit regionalem Bezug im Recruiting einsetzen? Beispiele gibt es genug, manche haben auf ihrem TikTok-Kanal schon eine Million Follower, andere setzen auf Ads bei Jodel oder veröffentlichen auf Tinder eine Recruitingkampagne für Flugbegleiterinnen bzw. ein Traineeprogramm. Und gleich vorweg: das funktioniert. Warum ich trotzdem nicht rate, sofort ein Video eurer tanzenden Mitarbeiterinnen auf TikTok hochzuladen oder ein Ad auf Tinder zu schalten. 

Bei meinem Impulsvortrag „CatContent, Shitstorms und Worst-Case-Beispiele“ beim XING Puls HR Wien Treffen habe ich aufgezeigt, welche Fallen im Social Media Recruiting lauern und auch welche Nachteile es gibt. Zeit, mich damit auch einmal in einem Blogbeitrag auseinanderzusetzen.

Die Frage, die mir vermutlich am häufigsten gestellt wird – egal ob in firmeninternen oder in offenen Workshops (wie zum Beispiel meinem Social Media Recruiting Bootcamp) – lautet: Wo sollen wir am besten sichtbar sein, welche Plattform ist für Social Media Recruiting am besten geeignet?

Diese Frage ist leider nicht ganz einfach zu beantworten, denn (mein Arbeitsrechtprofessor an der FH hätte jetzt seine helle Freude mit meiner Antwort): Das kommt darauf an.

Zuerst einmal – und das ist der wichtigste Punkt – muss ich mir überlegen, ob meine Zielgruppe überhaupt auf der gewünschten Plattform vertreten ist. Dabei darf man nicht vergessen, dass zum Beispiel bei der Zielgruppe Jugendliche und Berufseinsteigerinnen oft auch die Eltern noch ein Wörtchen mitreden. So kann es z. B. bei einer Lehrlingskampagne durchaus schlau sein, die Jugendlichen auf TikTok, die Eltern aber auf Facebook anzusprechen.

Als nächstes muss ich mich mit der jeweiligen Plattform wirklich auseinandersetzen, ich muss verstehen, wie sie funktioniert. Warum halten sich Menschen gerade dort auf?

Wenn ich es dann noch schaffe, meine Beiträge (Content in der Online-Marketing-Sprache) so zu gestalten, dass sie Aufmerksamkeit erregen und zur Zielgruppe sowie zur Plattform passen – dann bin ich auf dem richtigen Weg.

Du wirst jetzt vielleicht einen Punkt vermissen: Was ist denn mit unserer Unternehmenskultur, was ist mit unseren Werten als Arbeitgeber, unserer Employer Brand? Wenn du auf einer der drei genannten Plattformen Social Media Recruiting betreiben möchtest, wirst du sehr wahrscheinlich diesen Punkt schlicht und einfach vernachlässigen müssen. Zu welchem Image als Arbeitgeber passt denn Tinder? Mir fällt da gerade nicht wirklich etwas ein. Tanzen deine Mitarbeiterinnen andauernd durch die Gänge, werfen sie sich auf den Boden, um die Robbe zu machen oder tun so, als würden sie gerade ein Lied performen? Vermutlich nicht (wenn doch lass es mich wissen, das will ich sehen).

Grundsätzlich können Plattformen, Apps und soziale Netzwerke im Recruiting funktionieren, wie einige Beispiele schon zeigen. Im Endeffekt geht es ja darum, als Marke Aufmerksamkeit zu erregen und die Reichweite zu vergrößern. Je… Klick um zu Tweeten

Noch völlig außer Acht gelassen habe ich den Aspekt der Moral. Ist es vertretbar, auf einer App wie TikTok, die einem chinesischen Unternehmen gehört, Daten zu speichern? Ist es vertretbar, mit einer Dating-App in Verbindung gebracht zu werden? Ist es vertretbar, auf einer App, wo sich vor allem Studentinnen zum Vergnügen aufhalten, für Jobs zu werben?

Diese Frage kann und will ich nicht für dich beantworten, ich kann dir aber gerne dabei helfen, die richtigen Plattformen auszuwählen und dich bei der Umsetzung unterstützen.

Als nächstes werden wir übrigens Jodel für Recruitingzwecke etwas genauer unter die Lupe nehmen, davon berichte ich dir dann sehr gerne wieder hier im Blog – damit Recruiting wieder einfach wird.

Herzliche Grüße
Claudia

PS: Nächste Woche steht hier das Recruiting von Lehrlingen im Mittelpunkt. Das möchtest du nicht verpassen? Werde jetzt gleich Recruiting-Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird.

Wie Scully & Mulder: Active Sourcing und Social Media Recruiting gehören zusammen

Active Sourcing und Social Media Recruiting sind die beiden Themen, auf die ich mich im Recruiting spezialisiert habe. Leider werden diese beiden oft unabhängig voneinander betrachtet (und auch durchgeführt), dabei können sie sich perfekt unterstützen.

Vielleicht hast du einen meiner Active Sourcing Workshops besucht, hast meinen Onlinekurs absolviert oder schon mehrere meiner Blogbeiträge darüber gelesen. Wenn ja, dann weißt du sicher schon, dass ich immer wieder betone, dass die Direktansprache von potenziellen Mitarbeiterinnen auf XING, LinkedIn oder anderen Plattformen nicht Active Sourcing ist – auch wenn die Plattformen eine wichtige Rolle im Active Sourcing spielen. Wenn du also künftig auf Active Sourcing als Recruitingmaßnahme setzen möchtest, dann solltest du dich auch mit Social Media auseinandersetzen und deren Möglichkeiten auch gleich für dein Recruiting nutzen. Beides gemeinsam ist nämlich eine großartige Kombination im „Kampf“ gegen den Fachkräftemangel (ich mag diese Phrase ja so gar nicht, hab ich das schon mal erwähnt? Das war eine rhetorische Frage, ja habe ich, hier nämlich).

Warum das ist, möchte ich dir kurz erklären:

Social Media Recruiting bedeutet auch, als Arbeitgeber sichtbar zu sein und das ist genau genommen auch ein Ziel von Active Sourcing. Klick um zu TweetenGeht es beim Active Sourcing darum, herauszufinden, wo sich deine potenziellen Kolleginnen aufhalten, mit ihnen in Kontakt zu kommen und auch zu bleiben, ist Social Media Recruiting eine Möglichkeit, erst einmal darauf hinzuweisen, dass es dich und dein Unternehmen gibt bzw. – und das ist der größte Vorteil überhaupt – einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Das können ganz profane Dinge sein, wie zum Beispiel ein Schnappschuss von einem Meeting, dem Mittagessen im Betriebsrestaurant oder den Arbeitsplätzen. Dabei geht es streng genommen wohl eher um Employer Branding, am Ende aber zahlen alle Maßnahmen darauf ein, offene Positionen zu besetzen. Je mehr Reichweite du mit deinen Inhalten auf Social Media bei deiner Zielgruppe erreichen kannst, desto besser.

Wie du siehst verschwimmen die Grenzen manchmal – Active Sourcing, Social Media Recruiting oder Employer Branding: unterschiedliche Maßnahmen, unterschiedliche Tools, unterschiedliche Zugänge. Was sie gemeinsam haben, ist das Ziel, nämlich als potenzieller und ansprechender Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Das erreichst du, wenn du die Möglichkeiten der einzelnen Maßnahmen kennst und in der richtigen Kombination einsetzt.

Geht es etwa darum, einen konkreten Job zu promoten, kannst du die Kolleginnen und Führungskräfte auf Social Media taggen (also auf sie verlinken und natürlich nur, wenn sie einverstanden sind). So erhöhst du nicht nur die Reichweite deines Jobpostings, sondern bist vor allem sehr nahe an der gewünschten Zielgruppe dran. Und schon ist der erste Schritt im Active Sourcing getan.

Verknüpfe also deine Maßnahmen zu Active Sourcing und Social Media Recruiting – damit Recruiting wieder einfach wird.

Herzliche Grüße
Claudia

PS: Mein Blog Recruitingpraxis wird im Februar 5! Ich verrate dir deshalb nächste Woche meine 5 ganz persönlichen Lieblingsblogbeiträge und es gibt – allerdings nur für Recruiting Insider – meinen Onlinekurs Active Sourcing zu gewinnen!

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So profitiert HR von Social Media

Social Media und HR, eine Blogparade wie für mich gemacht! Isabell Grundschober von der Donau Uni Krems möchte unter anderem wissen, was die Kommunikation in sozialen Netzwerken für den Bereich Human Resources bedeutet und auch wie man mit dem Nachteil Zeitfresser Social Media als HR-Professional umgehen kann.

Ich habe schon an der einen oder anderen Blogparade teilgenommen (und überlege immer wieder mal selbst eine ins Leben zu rufen, aber Gott sei Dank setzen das dann immer andere um und ich kann dazu beitragen ;-).

Hier konkret die Fragestellung:

Was bedeutet die Kommunikation in sozialen Netzwerken für den Bereich Human Resources? Welche Rolle kann Blogging im HR spielen?
Ihre eigene Erfahrung: (Wie) Nutzen Sie als HR-Professional soziale Medien und Blogging? Persönlich und oder beruflich – oder verschwimmen vielleicht die Grenzen? Wie gehen Sie damit um?

Soziale Medien – das bedeutet oft auch Reizüberflutung oder kann ein Zeitfresser sein. Wie kann man mit diesem Nachteil und auch anderen Nachteilen als HR-Professional umgehen?

Als Expertin für Social Media Recruiting finde ich es wahnsinnig schade, wie viel Potenzial HR herschenkt. Laut der Studie BEST RECRUITERS 2019/2020 ist die Qualität des Recruitings allgemein über die Jahre konstant gestiegen, Social Media und der persönliche Kontakt werden allerdings oft vernachlässigt.

Leider ist hier HR zum Teil noch sehr in Prozessen und Strukturen verhaftet, die vor einigen Jahren absolut sinnvoll und adäquat waren. Als Recruitingverantwortliche wünsche ich mir die Kontaktaufnahme bitte ausschließlich über mein Bewerbungsmanagementsystem. Natürlich bietet mir das (hoffentlich) einen Überblick und ist auch DSGVO-konform. Allerdings sind die Menschen mittlerweile daran gewöhnt, über verschiedenste Medien direkt zu kommunizieren. Ein Posting, das ich auf LinkedIn veröffentliche hat eben (hoffentlich) zur Folge, dass mich jemand aufgrund dessen anschreibt.

Dies führt dazu, dass die Kommunikationskanäle immer unübersichtlicher werden (das geht mir selbst auch so), aber ein Tool wie zum Beispiel Franz kann hier Abhilfe schaffen.

Würden HR-Verantwortliche bloggen, hätten sie nicht nur den unschätzbaren Vorteil, dass ihre Karrierewebseite mit frischem Content versorgt wird (der hoffentlich nicht nur Google – Stichwort SEO –gefällt, sondern auch ihrer Zielgruppe) sondern würden sich auch wesentlich besser mit dem Thema Zielgruppendefinition, der Karrierewebseite und der Auffindbarkeit in Google auskennen. Alles Vorteile, wenn es um die Gewinnung von Talenten geht.

Ich selbst bleibe durch Social Media fachlich up to date, so sind mein Facebook- und mein Twitter-Feed eine Ansammlung von Social Media und Recruiting relevanten News. Auf meinem Blog habe ich viele Tipps zum Thema Social Media Recruiting zur Verfügung gestellt und werde dies auch weiterhin tun.

Auf allen Kanälen unterwegs und präsent zu sein, erfordert tatsächlich zeitliche Ressourcen und bedeutet – für mich ganz persönlich – die digitale Zeit einfach zu beschränken bzw. die Benachrichtigungen auf meinem Smartphone einfach abzustellen. Ich plane meinen Content und nütze Tools für die Verbreitung. All das habe ich in den vergangenen Jahren gelernt und davon gebe ich vieles an meine Kundschaft weiter.

Wie du vermutlich schon bemerkt hast, bin ich bei diesem Blogbeitrag nicht auf alle Aspekte eingegangen, aber es gibt ja hier schon einige Beiträge, die thematisch sehr gut dazu passen.

Der Einsatz von Social Media im Recruiting bedeutet Kommunikation mit potenziellen Mitarbeiterinnen. Ich bin absolut überzeugt davon, dass die unkomplizierte Kontaktaufnahme auch dafür sorgt, dass Recruiting wieder einfach wird.

Herzliche Grüße
Claudia

PS: Nächste Woche verrate ich dir, warum Active Sourcing und Social Media Recruiting voneinander profitieren. Das möchtest du nicht verpassen? Werde jetzt gleich Recruiting-Insider und du erhältst einmal im Monat alle Beiträge (und mehr) gesammelt direkt in dein Postfach – damit Recruiting für dich wieder einfach wird.