Erfolgreiches Female Recruiting

In Stellenanzeigen sollten sowohl Männer als auch Frauen angesprochen werden. Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass sowohl die Inhalte als auch die Wortwahl immer noch weitgehend männerzentriert sind. Doch es geht auch anders! In diesem Beitrag erfährst du, wie Female Recruiting auf LinkedIn und anderen Jobportalen in der DACH-Region gelingt und wie Stellenanzeigen auch die Bedürfnisse von Frauen abdecken können.   

Frauen zwischen Sicht- und Unsichtbarkeit  

Der Weltfrauentag am 8. März hat wieder einmal eines ganz deutlich gemacht – Frauen und Männer sind auch im Jahr 2023 noch nicht gleichberechtigt. Denn während Männer den 8. März wie jeden anderen Tag des Jahres verbrachten, gingen Frauen weltweit auf die Straße, um für Gleichstellung zu kämpfen. Nicht nur in Chile, Afghanistan oder Sri Lanka. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gingen Frauen an die Öffentlichkeit, um auf ihre Rechte aufmerksam zu machen.  

Auf LinkedIn habe ich dazu ein eigenes Posting verfasst.

Ich weiß: Gleichberechtigung ist auf vielen Ebenen dringend notwendig und manches ist dabei schwerer zu erreichen als anderes. Dafür habe ich Verständnis. Aber eines verstehe ich wirklich nicht: Warum sind Männer und Frauen im Recruitingprozess und in Recruitingstrategien immer noch nicht gleichgestellt, wenn es doch so einfach wäre, mit Stellenanzeigen auch Frauen abzuholen?   

Ob es tatsächlich notwenig ist, eine eigene Plattform speziell mit Jobs für Frauen zu haben, darüber habe ich 2022 mit Mahdis und Tanja von female factors gesprochen.

Female Recruiting als Masterarbeits-Thema  

Genau diesem Thema hat sich auch Lena Weyerheuser, eine Masterstudentin des MCI (Management Center Innsbruck) in Innsbruck gewidmet. Denn Fakt ist: In Zeiten des Fachkräftemangels sind Unternehmen mehr denn je auf qualifiziertes Personal und insbesondere auf Frauen angewiesen. Trotzdem werden Stellenausschreibungen textlich immer noch so formuliert, dass Frauen sich nicht angesprochen fühlen. Stattdessen gehen sie in der männerzentrierten Wortwahl unter oder werden durch lückenhafte Informationen von einer Bewerbung abgehalten.  

Im Rahmen der Masterarbeit, die ich betreuen durfte, wurde daher der Frage nachgegangen, wie erfolgreiches Female Recruiting funktioniert und wie Unternehmen in ihren LinkedIn-Stellenanzeigen auch Frauen adäquat ansprechen können. Ziel war es, herauszufinden, welche Formulierungen und Inhalte Stelleninserate enthalten sollten, um auch für Frauen attraktiv zu sein.  

Das Untersuchungsdesign  

Um Antworten auf die Forschungsfragen zu finden, wurde eine Online-Befragung durchgeführt. Genauer gesagt wurden 131 LinkedIn-Nutzerinnen aus der gesamten DACH-Region gebeten, zwei verschiedene Arten von Stellenausschreibungen auf LinkedIn zu bewerten und zu kommentieren. Zum einen Stellenanzeigen ohne frauenfreundliche Inhalte und Formulierungen und zum anderen Stellenanzeigen, in denen bewusst auf die Bedürfnisse von Frauen eingegangen wurde.  

Eines gleich mal vorweg: Frauenfreundliche Stellenanzeigen wurden von den Befragten um die Hälfte besser bewertet. Überrascht dich das? Mich jedenfalls nicht.  

Stellenanzeigen: Das wollen Frauen sehen  

Die Daten, die im Rahmen der Masterarbeit erhoben wurden, haben viel Interessantes hervorgebracht. Und die wichtigsten Punkte möchte ich dir auf keinen Fall vorenthalten. Schließlich solltest du dir bei deiner nächsten Stellenausschreibung lieber einmal mehr als einmal zu wenig Gedanken über geschlechtergerechte Inhalte und Sprache machen. Zumindest dann, wenn du nicht nur männliche Bewerber haben möchtest.  

Aber zurück zum Thema: Wie sieht gutes Female Recruiting aus?  

Konkrete Ansprache  

Erfolgreiches Female Recruiting beginnt mit einer geschlechtergerechten Wortwahl.  

Wenn in Stellenanzeigen nicht beide Geschlechter angesprochen werden, ist das für Frauen ein Zeichen dafür, dass Gleichberechtigung im Unternehmen keinen hohen Stellenwert hat. Und damit scheidet es als potenzieller zukünftiger Arbeitgeber aus. Denn Frauen wollen vor allem eines – gesehen und ernst genommen werden, und zwar schon bevor eine Bewerbung eingeht. Deshalb ist es ihnen auch so wichtig, dass sie in Stellenanzeigen genauso viel Platz bekommen wie Männer: in der Stellenbezeichnung, in der Anrede und im gesamten Fließtext.  

Gendern ist also für einen Großteil der Frauen das absolute Minimum. Männerzentrierte Formulierungen sind nicht mehr zeitgemäß. 

Die 4 Must-haves in Stellenausschreibungen  

Stellenanzeigen, die auch Frauen ansprechen sollen, müssen allerdings weit mehr beinhalten als eine frauengerechte Sprache. Denn es gibt viele weitere Punkte, die die Entscheidung für oder gegen eine Bewerbung maßgeblich beeinflussen.  

Um im DACH-Raum von erfolgreichem Female Recruiting auf LinkedIn und darüber hinaus sprechen zu können, muss eine Stellenanzeige daher vor allem vier wichtige Informationen enthalten:  

  • Gibt es Homeoffice-Möglichkeiten? 
  • Wie sieht die Gehaltsspanne aus? 
  • Wie groß ist das Arbeitsvolumen? 
  • Besteht die Möglichkeit, auf Teilzeit zu wechseln?  

Ob auf LinkedIn oder auf anderen Jobplattformen – Stellenanzeigen, in denen die Antworten auf diese Fragen nicht klar erkennbar sind, können auf Frauen abschreckend wirken. Dies kann dazu führen, dass sich Frauen nicht für die gewünschte Stelle bewerben, obwohl sie dem Anforderungsprofil entsprechen würden.  

Weitere Punkte, die eine Rolle spielen, aber nicht unbedingt enthalten sein müssen, sind:  

  • Gibt es Gleitzeitmodelle und/oder Kernarbeitszeiten?  
  • Werden Fort- und Weiterbildungen angeboten? 
  • Wie sieht es mit den Karrieremöglichkeiten aus? 

Nice to have  

Neben den absoluten Must-haves gibt es natürlich auch einige Inhalte, die sich Frauen in Stellenanzeigen wünschen, die aber nicht zwingend gefordert werden. Dazu gehört beispielsweise ein Konsens im Bereich der Qualifikationen.  

Im Gegensatz zu Männern werden die Anforderungsprofile von Frauen im Bewerbungsprozess oft ernster genommen und kritischer hinterfragt. Das hat zur Folge, dass die Bereitschaft sich zu bewerben, ohne alle Anforderungskriterien zu erfüllen, nicht besonders groß ist. Aus diesem Grund wünschen sich Frauen in Stellenanzeigen sozusagen die Erlaubnis dafür, sich trotz eines lückenhaften Anforderungsprofils bewerben zu dürfen.  

Ein weiterer wünschenswerter Punkt in Stellenanzeigen sind Angaben zur Unternehmensphilosophie und Diversität. Frauen empfinden es als positiv, wenn ein Unternehmen Auskunft darüber gibt, welche Werte und Ansichten es vertritt und wie es zu Themen wie Diversität, Internationalität und Inklusion steht. Entsprechende Angaben in Stellenausschreibungen können daher dazu beitragen, dass sich Frauen eher für eine Stelle bewerben. 

Female Recruiting – mein Fazit  

Die Masterarbeit beweist einmal mehr, dass es auch im Recruiting noch immer zu viele Stolpersteine gibt, die Frauen davon abhalten, sich als qualifizierte Arbeitskraft bei einem Unternehmen zu bewerben. Dabei braucht es wirklich nicht viel, um das zu ändern.  

Deshalb möchte ich dir an dieser Stelle eines ganz besonders ans Herz legen: Sei nicht wie die anderen! Ich weiß, wie schwierig es heutzutage sein kann, die passenden Mitarbeiter:innen zu finden, aber mit mehr Geschlechtergerechtigkeit in den Stellenanzeigen ist ein erster, wichtiger Schritt getan. 

Setze meine Empfehlungen um, damit (Female) Recruiting wieder einfach für dich wird! 

Herzliche Grüße 

Claudia  

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